Beim ersten Öffnen der Odoo Lager-App zeigt das Dashboard eine übersichtliche Grundstruktur. Meist stehen dort nur wenige große Kacheln wie Wareneingang, Lieferaufträge und Fertigung. Sobald jedoch mehrstufige Lagerstrukturen aktiviert werden oder komplexe Logistikketten entstehen, wächst diese Ansicht dynamisch an. Die dahinterliegenden Vorgangstypen bilden das technische Herzstück für alle Warenbewegungen. In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie du diese Kacheln konfigurierst, Hardware-Automatisierungen einbindest und Arbeitsabläufe über Barcode-Scanner sowie Routen präzise steuerst.
Grundeinstellungen und Farbleitsystem der Vorgangstypen
Über die drei Punkte an der jeweiligen Kachel gelangst du direkt in die Konfiguration der entsprechenden Vorgangsart. Hier legst du fest, wie Odoo Belege benennt und auf Teillieferungen reagiert:
Sequenz-Präfix und Barcode: Bestimmt die Belegnummerierung sowie das Kürzel, das auf Lieferscheinen und Dokumenten gedruckt wird.
Lieferrückstände (Backorders): Du kannst festlegen, ob Odoo bei unvollständigen Lieferungen bezüglich eines Rückstands nachfragen soll, diesen immer automatisch anlegt oder niemals einen Rückstand erzeugt.
Kartenfarbe: Jede Kachel lässt sich mit einer eigenen Farbe markieren.
Die Farbmarkierung auf dem Haupt-Dashboard erscheint als dezenter Streifen am linken Rand. Ihre volle Wirkung entfaltet diese Funktion jedoch in der Odoo Barcode-App auf mobilen Handhelds (wie Zebra-Scannern). Dort werden die Kacheln großflächig eingefärbt dargestellt. Farbige Balken signalisieren dem Lagerpersonal sofort, ob Vorgänge für heute geplant oder bereits überfällig sind.
Hardware-Einbindung und Barcode-Workflows
Über den Reiter Hardware verknüpfst du Vorgangstypen direkt mit Odoo IoT oder Virtual IoT. Dadurch lassen sich manuelle Handgriffe bei der Belegvalidierung vollständig automatisieren.
Automatischer Etikettendruck: Beim Validieren eines Wareneingangs können automatisch Produktetiketten (beispielsweise im Format 4x7 mit Preis) gedruckt werden. Bei Auslieferungen werden Versandlabels von Zustellern wie UPS oder notwendige Exportdokumente erzeugt, während in der Fertigung die Produktetiketten oder der Fertigungsauftrag automatisch auf den Drucker geschickt werden.
Gewichtserfassung: Digitale Waagen lassen sich direkt ansteuern, um das Gewicht der Ware beim Bearbeiten des Vorgangs automatisch zu messen.
Scan-Vorgaben: Für jeden Vorgangstyp definierst du individuell, welche Barcodes gescannt werden müssen. Beim einfachen Wareneingang reicht oft das Scannen des Produktess. Bei komplexeren Lagerschritten kannst du zusätzlich das verpflichtende Scannen von Quell- und Ziellagerorten erzwingen.
Reservierungsmethoden: Auf Vorgangsebene legst du fest, wann und wie Odoo Produkte für offene Aufträge im Lager reserviert.
Mehrstufige Lagerhäuser und Kachel-Vervielfachung
Im Werkszustand zeigt Odoo meist nur zwei bis drei Grundkacheln. Sobald du in den Lagereinstellungen die Optionen Lagerorte und Mehrstufige Routen aktivierst und dein Lagerhaus auf mehrstufige Abläufe umstellst, erweitert sich das Dashboard automatisch.
Stellst du beispielsweise Wareneingang und Warenausgang jeweils auf ein zweistufiges Verfahren um, teilen sich die Prozesse auf. Auf deinem Dashboard erscheinen sofort spezifische Kacheln für jeden Teilschritt:
Eingang: Das physische Eintreffen der Ware an der Laderampe.
Speicherung: Das spätere Einsortieren der Ware von der Rampe in das finale Regal.
Kommissionieren: Das Entnehmen der Artikel aus dem Regal für einen Kundenauftrag.
Liefern: Das finale Verpacken und Übergeben an den Versanddienstleister.
Weitere Kacheln: Automatisch ergänzte Kacheln für interne Transfers, Kreuzverkuppeln (Cross-Docking) oder externe Unterauftragsvergaben.
Gezielte Steuerung über Regeln und Routen
Gibt es in deinem Unternehmen mehrere Arbeitsplätze für denselben Prozess, kannst du Vorgangstypen einfach duplizieren. So lassen sich beispielsweise zwei getrennte Kacheln wie Kommissionieren A und Kommissionieren B anlegen.
Über die im System hinterlegten Regeln und Routen steuerst du im Hintergrund, wann welcher Vorgangstyp angesteuert wird. Aufträge lassen sich so automatisch anhand von Kriterien wie dem Verkaufskanal (Online-Shop, B2B-Geschäft oder Expressversand) oder der Produktart auf verschiedene Kommissionierbereiche verteilen. Für sehr spezifische Logistikpfade und Priorisierungen lassen sich diese Abläufe zudem über individuelle Anpassungen flexibel erweitern.
Im Video Schritt für Schritt erklärt
Damit du dir das ganze auch live im System ansehen kannst, haben wir ein Video zu dem Thema gedreht. In diesem wird dir Schritt für Schritt erklärt, wie du die verschiedenen Vorgangstypen verstehst, ein mehrstufiges Lager aktivierst und die neu entstandenen Kacheln nutzt.